Sie sind nicht nur traumhaft schön, sondern auch unglaublich artenreich. Magerwiesen sind einer der artenreichsten heimischen Lebensräume. 500 bis 600 Pflanzenarten gedeihen auf mitteleuropäischen Magerwiesen, das sind 10 % aller in Mitteleuropa vorkommenden Arten. In kaum einem anderen heimischen Lebensraum wachsen so viele verschiedene Pflanzenarten so knapp nebeneinander. Bis zu 80 verschiedene Arten kommen hier pro Quadratmeter vor. Dazu kommen unzählige Arten von Pilzen, Bakterien, Insekten, Spinnentieren, Tausendfüßlern, Schnecken, Würmern und vielen weiteren Tiergruppen.
Die Wiesen rund um Molln weisen dabei eine besonders hohe Biodiversität auf. Zum einen zeichnet sich der Boden durch einen hohen Kalkgehalt aus, womit einhergeht, dass auf ein und derselben Wiese der Boden deutliche Unterschiede im Wasserhaltevermögen, der Erwärmbarkeit und dem Nährstoffvorkommen aufweist. Dadurch bestehen diese Wiesen aus unzähligen Mikrohabitaten, die ganz unterschiedlichen Pflanzenarten mit verschiedenen Standortansprüchen ökologische Nischen bieten. Viele der Wiesen rund um Molln wurden außerdem auf steilen Berghängen angelegt – die steilste Fläche erreicht beispielsweise eine Neigung von 135 %. Besonders an Südhängen gelegene Wiesen stellen große Herausforderungen an die dort wachsenden Pflanzenarten. So verdunsten Pflanzen dort etwa um ein Vielfaches mehr Wasser als in der Ebene. Pflanzen an solch anspruchsvollen Standorten zeigen häufig dauerhafte oberirdische Pflanzenteile, bodennahes Wachstum und ledrige, behaarte oder winzige Blätter. Pflanzen mit derartigen Anpassungen kommen häufig nur hier vor, weil sie an einfacheren Standorten nicht konkurrenzstark genug wären.
Bilder: Viele der Wiesen in Molln sind außerordentlich steil.
Die unglaubliche Biodiversität der Wiesen um Molln zeugt von ihrer langen Geschichte. Vermutlich sind die heutigen Wiesengesellschaften Überbleibsel der von großen Landsäugetieren wie Wisenten und Mamuts geprägten Grünlandgesellschaften. Mit dem Aussterben großer Landsäugetiere und der Sesshaftwerdung der Menschen übernahmen letztere zu einem gewissen Grade die Offenhaltung der sonst natürlich verbuschenden und verwaldenden Landschaft. In Oberösterreich entstanden Wiesen etwa durch Brandrodung rund um jungsteinzeitliche Siedlungen spätestens vor 6000 Jahren, allerdings nicht als Dauergrünland sondern waren Bestandteil von Fruchtfolgen, in denen ausgelaugte Äcker brachliegen gelassen und währenddessen als Weide genutzt wurden. Die Erfindung der Sense ermöglichte allerdings erst um die Zeitenwende, dass Grünland durch Mahd anstatt durch Beweidung bewirtschaftet werden konnten. Die meisten Wiesen um Molln wurden zwischen 1200 bis 1500 aufgrund des großen Futtermittelbedarfs selbst an abgelegenen, steilen und nährstoffarmen Standorten angelegt. Teils wurden die Flächen als Weide genutzt, teils ein- oder zweimal jährlich gemäht. Erst seit 150 bis 180 Jahren herrschte Bewirtschaftung durch Mahd vor. Durch die Einbringung von Heu und das Grasen der Weidetiere wurden den Böden ständig Nährstoffe entzogen, wodurch die heutigen artenreichen Kalkmagerwiesen entstanden. Die traditionelle und extensive Bewirtschaftungsweise dieser Wiesen erhielt sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sehen wir einen erschreckenden Rückgang artenreicher Wiesen in Oberösterreich wie in ganz Mitteleuropa. So sind etwa seit 1956 in Oberösterreich über 90 % aller ein- und zweischürigen Wiesen verloren gegangen. Der Grund für diese dramatische Entwicklung, die unzählige Arten in Oberösterreich an den Rand des Aussterben gebracht hat, ist die Intensivierung der Landwirtschaft. Für die Einführung von Traktoren mussten Wiesen eingeebnet und mancherorts entwässert werden, wodurch wertvolle Mikrohabitate verloren gingen. Auch ließen sich so größere Flächen auf einmal bewirtschaften, wofür Wiesen zusammengelegt und so Raine und Übergangsbereiche verschwanden. Besonders verheerend für die Biodiversität war das Aufkommen von Düngemitteln. So versiebenfachte sich etwa zwischen 1950 und 1980 die Menge des in Mitteleuropa jährlich ausgebrachten mineralischen Stickstoffdüngers. Ab den 1990ern kam auch der massenhafte Einsatz von Gülle hinzu. Diese Nährstoffzufuhr nie gesehenen Ausmaßes auf Flächen, die zuvor höchstens durch gelegentliche Ausscheidungen der Weidetiere gedüngt worden waren, ermöglichte bis zu sechs Mahden pro Jahr. Gleichzeitig verschwand ein Großteil der einstigen Wiesenpflanzen und wich entweder heimischen oder ausgesäten ausländischen Grasarten, die mit einer derart hohen Nährstoffzufuhr und derart geringen Mahdabständen zurechtkamen. In heutigem Intensivgrünland herrschen nur eine Handvoll wuchs- und konkurrenzstarker Grasarten vor. Vom einstigen Artenreichtum ist nur mehr wenig übrig. 2019 wurden 86 % des oberösterreichischen Dauergrünlandes intensiv genutzt.
Bilder: 1. Ausbringung von Gülle auf einer Intensivfettwiese. 2. Links artenarmes Intensivgrünland, rechts artenreiche Magerwiese. 3. Intensivgrünland (Quellen: https://klimareporter.de/landwirtschaft/das-duenger-maerchen, https://de.future3.ch/news/verhungern-durch-ueberduengung, https://www.natur-lg.de/karte/vierhoefener-heide)
Der Rückgang von Magerwiesen vollzog sich allerdings auf Flächen mit unterschiedlich häufiger Mahd nicht parallel. Während nämlich die Fläche zweischüriger Wiesen mit 1990 gleich blieb, verringerte sich die Fläche einschüriger Fläche im selben Zeitraum um 78,6 % – bis um weitere 60 % (insgesamt 91,5 %). Dagegen ging die Fläche zweischüriger Wiesen seit 1990 um 90 % zurück. Diese verzögerte Entwicklung ist im unterschiedlichen Schicksal ein- und zweischüriger Wiesen begründet. Denn während einschürige Wiesen seit den 70ern in großem Maße aufgeforstet wurden und der Rest verbrachte, wurden zweischürige Wiesen in drei- bis fünfschürige Intensivfettwiesen zur Silageherstellung umgewandelt. Besonders erschreckend ist der Rückgang von Streuwiesen – Wiesen zur Gewinnung von Einstreu für Ställe: Von 400 ha Streuwiesen im Jahre 1956 waren 2019 nur mehr 264 ha in Bewirtschaftung. Viele Arten leiden unter dem Rückgang ihres Lebensraumes auf doppelte Weise: Indem die einzelnen Biotope immer weiter auseinander liegen und nicht wie früher eng vernetzt sind, können Populationen einer Art zwischen Wiesen nicht mehr wie früher hin und her wandern. Stattdessen werden die einzelnen Populationen stetig isoliert, wodurch die genetische Varianz innerhalb der Population abnimmt und sie als Folge anfälliger gegen Umwelteinflüsse ist. So können Arten von Flächen selbst dann noch verschwinden, wenn die Lebensraumeigenschaften des Biotops eigentlich noch gegeben wären. Ein Beispiel dafür sind viele Schmetterlingsarten.
Bilder: Heutzutage besonders selten: Einschürige Magerwiesen.
Heute finden sich artenreiche Magerwiesen in Oberösterreich nur mehr im unteren Mühlviertel und in den Enns- und Steyrtaler Voralpen, beispielsweise um Molln. Obwohl auch hier ein Großteil der ehemaligen Magerwiesen intensiviert, mit Fichten aufgeforstet oder brachliegen gelassen wurde, sind trotzdem noch bedeutende Restflächen des einst ausgedehnten Netzes an mageren Mähwiesen und Weiden vorhanden. Besonders an schwer zugänglichen, steilen oder weit hinten im Tal befindlichen Standorten konnten sich die ehemaligen Kalkmagerwiesengesellschaften bis heute erhalten oder liegen erst seit kurzer Zeit brach. Um dieses Naturerbe zu bewahren, wurden 1965 das Naturschutzgebiet Planwiesen und 2016 gegründet. Doch fehlte lange der Wille in der Gesellschaft, die zunehmende Verbuschung der letzten Magerwiesenflächen aufzuhalten. Aus diesem Grunde wurde 2015 der Verein „Bergwiesn“ gegründet, der zum Ziel hat, eine Bewirtschaftung und Offenhaltung der erhaltenen Flächen zu ermöglichen und bereits verbuschte Flächen wieder in Bewirtschaftung zu nehmen.
Bilder: Beim Vergleich des Franziszeischen Katasters mit heutigen Luftaufnahmen wird ersichtlich, wie viele Wiesen in Molln bereits verloren gegangen sind.
Die Tätigkeit unseres Vereins hat mehrere Ziele: An vorderster Stelle steht der Schutz des einzigartigen Lebensraumes Kalkmagerwiese. Dies ist nur durch regelmäßige und extensive Bewirtschaftung möglich. Wird eine Wiese brachliegen gelassen, nimmt der Artenreichtum rasch ab, weil wenige Pflanzen – meist Gräser – so viel Fläche abdecken, dass sie konkurrenzschwächere Pflanzenarten verdrängen. Außerdem bildet sich über dem Boden eine dichte Schicht aus nicht vollständig verrottetem abgestorbenen Pflanzenresten – das Pfeifengras (Molinia arundinacea) ist daran wesentlich beteiligt. Diese Filzschicht verhindert das Keimen anderer Pflanzenarten. Da organisches Material weder bei der Heuernte, noch durch grasende Weidetiere entnommen wird, reichern sich auch Nährstoffe in den verbrachenden Wiesen an. Dazu kommt, dass durch die Industrialisierung beträchtliche Mengen Stickstoffs durch die Luft in alle Ökosysteme eingetragen wird. Die Menge atmosphärischer Stickstoffdeposition ist heute siebenmal höher als in vorindustriellen Zeiten. Ohne Bewirtschaftung reichern sich immer mehr Nährstoffe im Boden an und die Artenvielfalt schwindet weiter.
Bilder: 1. Typische Brache im Pranzlgraben mit wenigen, konkurrenzstarken Grasarten. 2. Dichter Bestand von Pfeiffengras auf den Planwiesen.
Neben dem Schutz der Biodiversität ist uns aber auch die Pflege alter Kulturtechniken wie des Sensen ein Anliegen. Nichtsdestotrotz ist unsere Arbeit aber auch von technischen Hilfsmitteln wie Balkenmähern abhängig, ohne die eine Bewirtschaftung von derart vielen Flächen unmöglich wäre. Außerdem wollen wir auch Menschen die Möglichkeit geben, für den Schutz einer beispiellosen Kulturlandschaft Hand anzulegen, auch wenn sie keine eigene Landwirtschaft besitzen. Zuletzt versuchen wir auf verschiedene Weise, Menschen für den Schutz der Natur und der Biodiversität aufmerksam zu machen, sodass wir positive Veränderungen auch außerhalb des Einsatzgebietes des Bergwiesnvereins fördern.
Die Herangehensweise, um wieder hochwertige, intakte und artenreiche Kalkmagerwiesen herzustellen, hängt stark vom Zustand der jeweiligen Fläche ab. Während etwa manche Wiesen bis vor wenigen Jahren bewirtschaftet wurden, stehen auf anderen einst blühenden Matten knapp 30 Meter hohe Fichten in Reih und Glied. Vielleicht stellt sich die Frage, warum wir Fichtenforste roden, anstatt bereits bestehende Intensivfettwiesen extensiv zu bewirtschaften. Einerseits werden Intensivfettwiesen von Landwirten für die Futtermittelproduktion genützt, während Fichtenforste für die Besitzer leichter zu entbehren sind. Der viel wichtigere Grund ist aber, dass Intensivfettwiesen über Jahre stark gedüngt wurden und somit für die allermeisten Magerwiesenpflanzen völlig ungeeignet wären. Bis solche Flächen wieder nährstoffarm genug wären, dauerte es mehrere Jahrzehnte, in denen durch Mahd langsam dem Boden Nährstoffe entzogen würden. Fichtenforste auf Standorten früherer Magerwiesen sind für die Umwandlung in Magerwiesen wie geschaffen. Ihr Boden entspricht noch dem der früheren Magerwiesen. Er wurde nie gedüngt und kann rasch wieder von Magerwiesenpflanzen bewachsen werden. Dazu kommt, dass selbst nach Jahrzehnten noch Samen von Magerwiesenpflanzen im Boden enthalten sind, die geradezu darauf warten, keimen zu dürfen.
Bild: Dichter Fichtenforst am Schoberstein auf einer ehemaligen Bergwiese.
Als erster Schritt werden alle nicht schützenswerten Bäume gefällt und alle Sträucher sowie Schösslinge geschwendet. Wenige schöne Bäume mit guter Krone werden stehen gelassen. Die gefällten Bäume werden dann mittels Seilzug abtransportiert. Die Sträucher und Schösslinge, sowie alle zurückgebliebenen Äste, Totholz und Steine werden auf Haufen geschlichtet, die entweder verrotten oder verbrannt werden.
Bilder: 1. Rodung von Fichtenforst auf ehemaligen Magerwiesenflächen am Schoberstein, alte Bäume bleiben stehen. 2. Blick vom Häuslkogel aufs Kaltwasser mit schönen Solitärbäumen. 3. Schwendarbeiten mit der Motorsense. 4. & 5. Äste werden auf Haufen geschlichtet.
Nun kommen unsere Weidetiere zum Zug: Diese werden für wenige Wochen im Jahr auf die Fläche gelassen, wobei ihnen stets nur kleine Teilflächen zur Verfügung stehen – dies nennt sich Druckbeweidung. Sobald kein Futter mehr vorhanden ist, werden sie auf einen anderen Teil gelassen. So fressen die Tiere gründlich alle aufkommenden Schösslinge von Sträuchern und Bäumen sowie alle keimenden Unkräuter und Schlagpflanzen ab, wodurch die im Boden verbliebenen und angewehten Samen der Magerwiesenpflanzen genug Licht zum Keimen haben. Die in dieser Zeit eingesetzten Tiere sind Weiße Barockesel und Burenziegen, die unterschiedliche Nahrungsvorlieben haben. Weiße Barockesel fressen gerne Gräser und Kräuter und vertilgen sogar dichte Filzschichten am Boden, sodass wieder Licht auf die Erde fällt. Die Burenziegen dagegen stürzen sich zuerst auf die Blätter von Sträuchern, Schösslingen und Brombeeren, sodass diese stark in ihrem Wachstum gehemmt werden. Dazu kommt, dass Burenziegen ab etwa sechs Tieren ausgeprägten Futterneid entwickeln und umso gieriger fressen. Die Hufen der Weidetiere schaffen offene Bodenstellen, wo wiederum Pflanzensamen keimen können. Weitere Informationen zu den Vorteilen von Weidetieren findest du hier. Da Esel und Ziegen unterschiedliche Nahrungsvorlieben haben, eignen sie sich ideal zur Kombination. So werden die Flächen zuerst mit der einen, dann mit der anderen Art bestoßen und von unerwünschten Pflanzen bleibt wenig übrig. Später, wenn sich bereits eine geschlossene Pflanzendecke entwickelt hat, werden die Flächen mit Schafen beweidet. Die Zäune werden dabei nur bei Bedarf aufgebaut und nach erfolgreichem Einsatz der Weidetiere wieder abgebaut, um Wildtiere nicht zu behindern.
Meist dauert es 3 bis 6 Jahre, bis eine wieder in Bewirtschaftung geführte Fläche wieder eine weitgehend erholte und ausgewogene Artenzusammensetzung zeigt. Bis dahin sind auch die zurückgebliebenen Baumstümpfe so weit zersetzt, dass sie durch Fräsen entfernt werden können. Erst jetzt ist ein Mähen der Fläche sinnvoll. Auf Flächen, die erst seit kurzen brachliegen und nur schwach verbuscht sind, reicht oft eine direkte Wiederaufnahme der Mahd nach dem Schwenden aus, um deutliche Verbesserungen zu erzielen. Schon nach zwei bis drei Jahren ähnelt die Wiese dem Wunschbild. Als besonders hilfreich hat sich eine frühe Mahd bei solchen Brachen erwiesen, damit ursprüngliche Magerwiesenpflanzen wieder keimen können. Auch wenn die Flächen anfangs verwüstet wirken, braucht es oft gerade diese zielstrebigen Umbrüche, um möglichst schnell wieder artenreiche Ökosysteme herzustellen.
Bild: Entfernen von Farnen und anderen dominanten Pflanzen von einer ehemaligen Brache
Sind aus artenarmen, verbuschten oder gar verwaldeten Brachen wieder lebendige, artenreiche Kalkmagerwiesen geworden, ist unsere Arbeit lange nicht erledigt. Damit die Wiesen weiterhin ihren ökologischen Wert behalten, müssen sie einmal, manche auch zweimal jährlich gemäht oder mit Weidetieren bestoßen werden (wenige Wiesen werden auch nur alle zwei Jahre bewirtschaftet). Der Zeitpunkt der Mahd oder der Bestoßung muss dabei immer mit Bedacht gewählt sein. Einerseits muss der Blühzeitpunkt auf der Wiese wachsender schützenswerter Arten beachtet werden, sodass sich alle erwünschten Pflanzenarten aussamen können. Hochwachsende Pflanzen profitieren etwa von später Mahd. Gleichzeitig kann etwa das sehr konkurrenzstarke Pfeifengras nur zurückgedrängt werden, wenn so früh gemäht wird, dass danach noch genug Zeit für eine zweite Blüte der Wiesenpflanzen bleibt. In wissenschaftlichen Arbeiten hat sich gezeigt, dass die Artenvielfalt zunimmt, wenn der Mähzeitpunkt von Jahr zu Jahr unterschiedlich ist, weil so alle Pflanzenarten irgendwann aussamen können. Große Flächen werden stets in mehreren Etappen gemäht, damit stets ausreichend Blüten für Insekten übrigbleiben. Damit etwa Insekten ausreichend Überwinterungsmöglichkeiten finden, wird stets ein kleiner Teil der Fläche über den Winter als Brache stehengelassen.
Bilder: Mahd mit Balkenmähern.
Eine weitere Arbeit auf wiederhergestellten Flächen ist die Bekämpfung invasiver, für Nutztiere giftiger und ausbreitungsstarker Pflanzenarten. In Molln sind die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und verschiedene Berufkräuter die häufigsten invasiven Pflanzenarten. Da giftige Pflanzen im Heu damit gefütterte Nutztiere gefährden, müssen Giftpflanzen wie die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) im Jaidhaus und der Adlerfarn (Pteridium aquilinum) auf den Planwiesen händisch ausgerupft werden – eine mühsame aber wirksame Arbeit.
Bild: Entfernung von Kratzdisteln.
Doch unsere Bemühungen zeigen Wirkung. Werden etwa Brachen in Mähwiesen oder Weiden umgewandelt, steigt die pflanzliche Artenvielfalt stark an. So fanden sich bei einer Erhebung im Jahr 2025 auf wieder in Bewirtschaftung genommenen Mähwiesen durchschnittlich 30 Pflanzenarten, während es auf Brachen nur durchschnittlich 23 waren. Dabei war die pflanzliche Artenvielfalt auf schon länger bewirtschafteten Flächen größer als Mähwiesen, die erst vor wenigen Jahren wieder in Bewirtschaftung genommen worden waren. In Brachen beherrschen Gräser den Pflanzenbewuchs und behindern konkurrenzschwache Arten. Nach Wiederaufnahme der Bewirtschaftung nahm die von Gräsern abgedeckte Fläche ab und die von Kräutern zu – von 28 % auf 36 %. Außerdem hielten sich Sauer- und Süßgrasarten ungefähr die Waage mit jeweils um die 25 % Abdeckung, während in Brachen vorwiegend Süßgrasarten wuchsen. Auch veränderte sich die Häufung verschiedener Pflanzenfamilien. Während in Brachen Rosen- und Heidekrautgewächse häufiger wuchsen, war in Mähwiesen das Bild stärker von Korbblütlern, Rötegewächsen (zu denen das Labkraut zählt), Spargel-, Hahnenfuß- und Amaryllisgewächsen sowie von Hülsenfrüchtlern geprägt. Mitglieder dieser Familien gehören zu den typischen Magerwiesenblumen.
Bilder: 1. Die Wiese am Häuselkogel zwei Jahre nach Wiederaufnahme der Mahd. 2. & 3. Ehemalige Brache im Jaidhaus kurz nach den Schwendarbeiten und zwei Mahden später.
Mähwiesen stellten sich aber nicht nur als artenreicher heraus, sondern die Arten waren auch ausgewogener verteilt. Es dominierten also nicht wie in Brachen wenige Arten ganze Bestände. Auch wachsen in den Mollner Mähwiesen viele bedrohte Pflanzenarten. In einer Erhebung aus dem Jahr 2020 standen 43 der 164 auf verschiedenen Mähwiesen rund um Molln gefundenen Pflanzenarten auf der roten Liste bedrohter Arten. Während manche Bestände noch aus früheren Zeiten stammen, tauchten manche geschützte Pflanzen auf wiederhergestellten Flächen teils kurz darauf, teils nach einigen Jahren wieder auf. Selbst auf beweideten Schlägen, auf denen jahrzehntelang Fichten in Monokultur standen und die erst kürzlich durch den Bergwiesnverein gerodet worden waren, sprossen rasch seltene und gefährdete Pflanzen. Die meisten bedrohten Pflanzenarten in Oberösterreich sind auf nährstoffarme Standorte angewiesen, die immer seltener werden. Auch im Jaidhaus bei Molln nehmen durch Düngung und Brachlegung nährstoffreiche Pflanzengesellschaften gegenüber nährstoffarmen zu, sodass auch hier viele geschützte Pflanzenarten immer seltener werden. Doch nicht im hiesigen Naturschutzgebiet. Indem der Bergwiesnverein die hier befindlichen Mähwiesen beweidet und mäht, ist es gelungen, die nährstoffarmen Pflanzengesellschaften zu erhalten und bedrohte Arten vor dem Verschwinden zu bewahren.
Bilder: Zwei Jahre nach Wiederaufnahme der Bewirtschaftung kehren Klebriger Lein und Pyramiden-Knabenkraut zurück.
Besonders stark von Veränderungen der Pflanzengesellschaft betroffen sind Insekten. Schmetterlinge repräsentieren dabei gut den Zustand der Insekten allgemein in einem Ökosystem. Von den 247 in Europa heimischen Tagfalterarten kommen 48 % auf Kalkmagerwiesen vor. Mit dem Verschwinden von Magerwiesen wurden auch die hier lebenden Schmetterlingsarten immer seltener. Stark spezialisierte Arten sind dabei stärker betroffen als Generalisten. Werden Mähwiesen oder Weiden aus der Bewirtschaftung genommen, nimmt die Zahl der Schmetterlinge kurz zu, doch fällt sie nach spätestens 3 Jahren stark ab. Im Jahr 2025 wurde untersucht, welche Auswirkungen auf Tagfalter eine Wiederaufnahme der Bewirtschaftung hat. Einerseits lag die Anzahl an Tagfalterarten in wiederbewirtschafteten Mähwiesen mit 19 klar über der auf Brachen mit 16 Arten. Andererseits war auch die durchschnittlich festgestellte Menge an Tagfaltern auf Mähwiesen mit 68 deutlich höher als auf Brachen mit 44. Außerdem veränderte sich auch die Häufung bestimmter Tagfalterfamilien, Edelfalter waren auf Mähwiesen weniger dominant und Bläulinge und Dickkopffalter kamen öfter vor. Ritterfalter wurden sogar nur auf Mähwiesen entdeckt. Nicht zuletzt fanden sich auf Mähwiesen auch mehr gefährdete Arten als auf Brachen. Das bestätigt unsere Arbeit und bestärkt uns, weiter zu machen.