Griaß eich!
Ich bin der Raphael, gebürtiger Salzburger, und voriges Jahr durfte ich mein Freiwilliges Umweltjahr als Zivildienstersatz beim Bergwiesnverein absolvieren.
Für mich war es wichtig, aus der Verpflichtung, dem Staat zu dienen, etwas zu machen, wobei ich nicht meine Zeit verschwende. Also gab es für mich zur Auswahl, ein freiwilliges Jahr im Ausland, einen Lkw-Führerschein beim Bundesheer oder eben dieses lehrreiche, spannende und lustige Jahr beim Bergwiesnverein, das eine neue Leidenschaft in mir geweckt hat.
Als HTL-Absolvent hatte ich durch Pflichtpraktika, aber auch durch freiwillige Jobs in den Ferien schon einen Einblick bekommen, wie verschiedene Arbeitsabläufe funktionieren. Dadurch fiel mir der Einstieg in die Arbeiten der ersten Wochen leicht. Dabei standen Motorsensen mähen, Haselnusssträucher abzwicken und Rodungsflächen zusammenräumen an der Tagesordnung. Erste Arbeitserfahrungen sind nicht notwendig, sie helfen aber einzuschätzen, was man sich von der Arbeit erwarten kann.
Aber auch ich brauchte eine Zeit, um richtig in den Flow der Arbeit zu kommen, und lernte selbst am letzten Tag noch neue Dinge dazu. Natürlich ist nicht jeder Tag außergewöhnlich aufregend. Oft sind die Arbeiten einfach und monoton, etwa das Zusammenräumen von Rodungsflächen. Mir machen aber auch diese Arbeiten Spaß, da ich sehr schnell in den Flow komme und in diesem Stadium die Zeit wie im Flug vergeht. Wer dieses Gefühl noch nie gefühlt hat, hält mich für verrückt, es ist aber wie ein meditativer Zustand.
Ein Ausgleich sind dann wiederum die Arbeiten, die man davor noch nie gemacht hat und die einen aus der Komfortzone pushen. Man weiß nie, wann wieder eine solche Arbeit auf einen zukommt, tritt aber dann doch häufiger auf, als man denkt.
Am meisten haben mir jedoch die Arbeiten Spaß gemacht, bei denen ich selbst Probleme lösen und etwas mit anderen gemeinsam umsetzen konnte; z.B. Unterstände für unsere Tiere bauen, oder die Weiden mit Zäunen bestücken, damit die Tiere nicht ausbüchsen (Das ist dann manchmal trotzdem passiert und wir mussten sie wieder einfangen).
Im Sommer ist dann die Haupttätigkeit, die Bergwiesen zu mähen und dann das Heu von der Fläche zu bringen (heign). Das wirkt zu Beginn wie eine unmögliche Herausforderung, ist aber schlussendlich mit der lang aufgebauten Kondition gut umsetzbar, auch wenn es mit Abstand die härteste Zeit des Jahres ist.
All diese Arbeiten machen aber umso mehr Spaß, wenn man sich mit seinen Kollegen gut versteht. In der gemeinsamen Unterkunft und bei der Arbeit lernt man sich in dieser kurzen Zeit so gut kennen, dass man nach diesem Jahr von einer tiefen Freundschaft sprechen muss.
Wer also nicht neue Dinge lernen will, alle 20 Minuten eine Pause braucht oder sich schnell entmutigen lässt, ist hier eindeutig fehl am Platz. Ich dagegen habe ein Jahr hinter mir, das vielleicht das schönste und freiste in meinem Leben war.