Freiwilliges Umweltjahr 2025/26

Servus, mein Name ist Vitus und heuer mache ich ein Freiwilliges Umweltjahr beim Bergwiesnverein. Mitte April liegt bereits mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in Molln hinter mir – eine gute Gelegenheit, auf die vergangenen sieben Monate zurückzublicken. Als gebürtiger Wiener war für mich anfangs nicht nur die im Vergleich zur Schule völlig andere Arbeit, sondern klarerweise auch der Umzug nach Molln eine erfrischende Umstellung. Zugegebenermaßen lässt der Komfort des AV-Heims auf den ersten Blick zu wünschen übrig, aber schon nach ein paar Wochen schloss ich mein neues Zuhause schnell ins Herz. Nicht nur ist es groß genug, um jedem seiner Bewohner ausreichend Privatsphäre zu ermöglichen, auch lässt sich dank der umfassenden Ausstattung ein sinnvoller und effizienter Haushalt führen. Und nicht zuletzt genieße ich es sehr, anders als daheim in Wien hier in Molln mein eigener Herr zu sein – zumindest im AV-Heim.

Denn in der Arbeit gelingt unser Werk nur, wenn sich jeder ans Team anpasst und alle aufeinander Rücksicht nehmen. Als Umweltpraktikant beim Bergwiesnverein, habe ich mich zwar an die Anweisungen von oben zu halten, doch was die endgültige Ausführung der Tätigkeiten betrifft, habe ich doch recht viel Entscheidungsspielraum. Meist erhalten wir Umweltpraktikanten morgens Arbeitsaufträge, die wir dann meist selbstständig erledigen, wobei wir uns absprechen, wer was genau macht, wann welche Arbeiten am gescheitesten durchgeführt werden und ob andere Dinge erledigt werden können, die vielleicht vergessen worden sind. Das erfordert natürlich, dass wir nicht nur stur Aufträge abarbeiten, sondern selbstständig mitdenken, abwägen, Lösungen für Probleme finden und so einiges an Eigenverantwortung bei unserer Arbeit übernehmen. Mir gefällt diese Freiheit sehr gut, weil ich so entspannt und auf die für mich sinnvollste Weise arbeiten kann.

Was unsere Arbeiten selbst betrifft, so sind diese einerseits jahreszeiten- und andererseits wetterabhängig. Wer ein Umweltjahr beim Bergwiesnverein machen will, muss sich bewusst sein, dass viele Tätigkeiten monoton, geistig wenig anspruchsvoll und für sich genommen zuweilen eher unspannend sind. Dazu gehören Aufräum- und Schwendarbeiten, Mähen, Heublasen und Weidebau. Beispielsweise habe ich im Winter über Wochen hinweg fast täglich beinahe den gesamten Arbeitstag mit dem Aufsammeln, Zusammenrechen und Auftürmen von Ästen, Stöcken und Reisig zugebracht. Das ist kein Klagelied sondern Beschreibung einer wichtigen Tätigkeit, die außer uns niemand machen würde. Zwar kann bei solcher Arbeit manch kurzer Wintertag sehr lang werden, doch bestärkt stets das Wissen, dass durch meine körperliche Leistung ein wertvoller Beitrag nicht nur für den Erhalt, sondern gar für die Wiederbelebung artenreicher Ökosysteme geleistet wird. Mein Schaffen schützt Arten und gibt bedrohten Tieren, Pflanzen, Pilzen sowie unzähligen Mikroorganismen wieder einen so dringend benötigten Lebensraum. Und die Bestätigung dafür sehe ich jedes Mal, wenn auf einer einst von Fichten überschatteten Fläche wieder ein zartes Blümchen seine Blüten der Sonne entgegenstreckt.

Keine Frage, manchmal heißt es durchbeißen und weitermachen, doch sehr oft macht mir die Arbeit auch große Freude. Schmäh führen und lachen, plaudern, quatschen mit den Kollegen, die Ziegen und Esel bei ihrem sonderbaren Gebaren beobachten, mit Bläsern das Heu den Hang hinunterjagen, mit Motormähern in steilstem Gelände das saftige Futter schneiden oder einfach nur mit guter Musik oder einem spannenden Podcast im Ohr von Sonnenstrahlen geküsst wie von jeder Zeit befreit vor sich hinarbeiten. Ganz zu schweigen von jenem unbeschreiblichen, ganz und gar erhebenden Gefühl, nach getaner Arbeit das eigene Werk zu bestaunen und Stolz auf die Leistung des Tages zu sein. Und wenn dann der Blick über die Berge ringsum streicht, ob satt grün und üppig im Sommer, rot-gold schillernd im Herbst, mit winterlichem Weiß bedeckt oder von zart austreibenden Buchenblättchen vorfreudig die Pracht des Sommers kündend, – und wenn jene klare Luft in die Lunge strömt, dann kann man sich sicher sein, am schönsten Ort der Welt zu sein. Um die Frage, ob ich denn bei einer erneuten Entscheidung wieder zum Bergwiesnverein ginge, vorwegzunehmen: Auf jeden Fall!