Eindrücke der Umweltbaustellen

2025

Zeitungsausschnitt aus den Oberösterreichischen Nachrichten

Von Gerald Winterleitner, 27. August 2025

MOLLN. Vor zehn Jahren hat ein Verein damit begonnen, unwirtschaftliche Wiesen zu renaturieren.

„Im Gegensatz zum ‚Waldsterben‘ ist das Thema ‚Wiesensterben‘ in Österreich wenig populär“, sagt Christian Hatzenbichler. Er ist Obmann des im Jahr 2015 gegründeten Vereins „Bergwiesn“. Anfangs wurden von den Naturschützern vier Hektar Wiese betreut, mittlerweile bewirtschaftet und renaturiert der Verein mehr als 110 Hektar dieses vom Aussterben bedrohten Kulturgutes.

Ihren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität auf naturbelassenen Bergwiesen leisteten im Sommer wieder 14 junge Erwachsene aus Österreich und Deutschland. Sie nahmen jeweils eine Woche lang als Freiwillige gemeinsam mit drei Zivildienern, die hier erstmals ein freiwilliges Umweltjahr absolvierten, an der Umweltbaustelle „Bergwiesn heign“ des Alpenvereins teil. Zum 8. Mal in Folge fand diese in Molln statt. Ihre Arbeit reichte dabei vom „Schwenden“, dem Entfernen von Disteln mit einer Sense, bis zum „Heign“, dem Abräumen von getrocknetem Heu auf gemähten Wiesen.

„Für mich ist es erfüllend, der Natur etwas zurückzugeben. Beim Heign habe ich das Gefühl, Teil der Natur zu sein. Die Alltagsprobleme werden plötzlich ganz klein“, sagt die 23-jährige Wienerin Magdalena. Es sei ein gemeinschaftliches Erlebnis, bei dem nicht nur der Umwelt geholfen werde, sondern auch der Spaß nicht zu kurz komme, erklärt die Tirolerin Lena: „Einige hier sind daher schon mehrmals auf den steilen Bergwiesen dabei gewesen.“

Doch warum wird diese Arbeit überhaupt geleistet? „Im Zeichen des Naturschutzes ist es besonders wichtig, artenreiche Gebiete wie Bergwiesen zu erhalten und zu renaturieren“, sagt Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes: „Diese Feuchtgebiete tragen einen großen Teil zur Speicherung von CO2 bei.“ Auf naturbelassenen Wiesen würden bereits auf 1000 Quadratmetern mehr als 120 verschiedene Pflanzenarten wachsen. Auf intensiv bewirtschafteten Äckern seien es maximal 15 verschiedene Arten.

Naturbelassene, extensiv bewirtschaftete Bergwiesen an Steilhängen gelten inzwischen auch in Österreich als Seltenheit. „Würde man die Wiesen nicht mehr bewirtschaften, würden sie zuwachsen“, erklärt Klaus Schrefler, Biologe aus Graz und Teil der Stiftung „Blühendes Österreich“. Dadurch ginge die Biodiversität auf lange Sicht um ein Vielfaches zurück. Oberste Priorität habe dabei traditionelle Bewirtschaftung: „Denn durch Überbewirtschaftung und den Einsatz von Dünger zerstören kommerzielle Landwirtschaften wichtige Lebensräume.“

Artenvielfalt erkennbar

Dass sich dieses Engagement bewährt hat, bestätigt Eva-Maria Schaubmair, die seit Jahren die Umweltbaustellen leitet: „Inzwischen ist die zurückgewonnene Artenvielfalt bereits mit bloßem Auge zu erkennen.“

Auf den erzielten Erfolgen ausruhen dürfe man sich allerdings nicht, denn mit dem Naturschutz sei es wie mit einem Fischernetz, sagt Schrefler: „Mit einem Loch im Netz kann man noch gut Fische fangen, doch mit immer mehr Löchern geht nichts mehr.“


2024

Ausschnitt aus dem Projekttagebuch

Der erste Tag:
Am Sonntag sind wir Teilnehmer und Teilnehmerinnen von weit entfernt angereist. Sobald alle im AV-Heim in Molln ihr Gepäck abgelagert hatten, ging es schon los. Eva und Christian nahmen uns im Bus des Bergwiesn-Vereins auf eine erste Rundtour mit. Wir fuhren zu den Burenziegen, die weiß vom Hang herunter leuchteten. Christian lockte die Ziegen mit dem Ruf „mäggi mäggi mäggi“ an. Thomas, ein Bio-Landwirt vom Ennstaler Wiesenverein, brachte an diesem Tag seine Schafe vorbei, die den Ziegen auf dieser Weide Gesellschaft leisten sollten. Die Schafe fressen nämlich lieber die Krautschicht am Boden, während die Ziegen Blätter und Sträucher lieben. Wir lernten noch eine weitere Ziegenherde kennen. Christian kennt alle seine Ziegen beim Namen und stellt uns Napoleon, Silvie und die „Sitzziege“ Antilope vor. Kurz halten wir auch noch bei der „Hubu“, der Huber-Bude, wo Geräte des Bergwiesn-Vereins gelagert sind. Im AV-Heim essen wir hungrig noch eine Jause.


2023

Ausschnitt aus dem Projekttagebuch

Montag

Ausgeschlafen und nach einem ergiebigen Frühstück geht es um 9 richtig an die Arbeit und zur ersten Aufgabe: aus der Vereinswerkzeughütte holen wir alles was wir für den heutigen Tag brauchen: Zwicker, Handsägen, Heugabeln, Rechen,… und fahren zu einer ehemaligen Fichtenmonokulturfläche um zu schwenden. Anders als bei einer Rodung bedeutet dies Jungbäume, Sträucher, Totholz und Lesesteine zu entfernen. Hier haben wir vor allem große Mengen an Totholz auf Haufen geschlichtet, um den Wiesenpflanzen das Wachstum zu ermöglichen.
Am Nachmittag ist das Heu auf den Wiesen abgetrocknet. Ein paar Tage zuvor von einem „Bergwiesn-Vereinsmitglied“ gemäht, ist es unsere Aufgabe das Heu zusammen zu rechen. Eva erklärt, dass es am besten in einer Reihe funktioniert. Man kann nicht nur währenddessen nette Gespräche führen, sondern erspart sich auch viel Arbeit. Da alle motiviert mit anpacken, macht es trotz Temperaturen jenseits der 30 Grad großen Spaß!
Nach einer Stunde sind wir fertig und schweißgebadet! Badezeit: Brusttief im Wasser tragen wir unsere Rucksäcke auf eine Insel in der Steyr und genießen bei der lokalen „Strizzi-Limonade“ den Schatten und das kühle Nass. Eva zeigt uns das Naturdenkmal rinnende Mauer und wir springen von den Klippen in die Steyr. Brrrrr, 11 Grad!
Nach der kühlen Erfrischung genießen wir ein gemeinsame zubereitetes Curry. Um uns noch besser kennenzulernen, spielen wir beim Abendessen „zwei Wahrheiten, eine Lüge“… gar nicht so leicht zwischen Stierattacken, Oldtimersammlungen und Reiseerlebnissen zu entscheiden, was stimmt.