Der Pranzlgraben

Oberhalb des Pranzlgrabens an der Nordwestflanke des Gaisbergs sind noch bedeutende Wiesenflächen übriggeblieben, obwohl sie seit dem Jahre 1959 nicht mehr gemäht wurden. Dass sie nicht – wie so viele andere Flächen – rasch verbuschten und verwaldeten, liegt an ihrer Steilheit, die Lawinen begünstigt, und an Wildverbiss. Der ausschlaggebende Punkt war aber, dass manche Wiesenstücke nicht aufgeforstet wurden. So erhielten sich diese Reste einer einst ausgedehnten Wiesenlandschaft hoch über Molln, die sich vorzustellen heute schwer fällt. Das Luftbild von 1953 lässt einen dies nur mehr erahnen. Die sich selbst überlassenen und nun von vielen vergessenen Kulturflächen hatte Aussagen älterer Mollner*innen nach einen besonderen Reiz. Neben den Erinnerungen an schwerste körperliche Arbeit blieben vor allem die Geselligkeit bei der Mahd und die gemeinsamen Abende auf den vielen Stadeln, wo im Sommer unzählige Menschen zur gleichen Zeit mit der Heuernte beschäftigt waren, im Gedächtnis. Von den damals so prachtvollen Wiesenflächen können wir heute nur noch träumen.

Anhand dieser Luftbildaufnahme, welche mit dem aktuellen Kataster überlegt ist, sieht man gut die noch vorhandene (teils angepasste) ursprüngliche Grundstückstruktur und die noch offenen Wiesenflächen. Vergleicht man diese Aufnahme mit den Aufzeichnungen des Franziszeischen Katasters – eines bis zum Jahre 1870 erstellten Grundkatasters, offenbart sich, wie viele der einstigen Magerwiesen bereits verwaldet sind. Während die heutigen Flächen wie zufällig verstreute, einsam im Fichtenmeer gelegene Flecken wirken, bot sich einer Heuarbeiterin aus dem 19. Jahrhundert das Bild eines schier endlosen Gräser- und Blütenmeeres, durchsetzt nur von Baumreihen und großen, freistehenden Bäumen. Dazu standen über die gesamte Fläche verteilt Heuschober, in die das Heu zum Fertigtrocknen und zur Lagerung bis zum Einbringen im Winter gebracht wurde.

Um das Jahr 2000 herum haben die Brüder Andreas und Christian Hatzenbichler gemeinsam mit David Priller begonnen, eine noch offene Wiese, die zuletzt 1959 von ihrem Großvater gemäht wurde, mit Sensen wieder zu bewirtschaften. Da der Wanderweg damals nicht gewartet wurde, musste man sich mit Buschmessern den Weg durch das Gestrüpp hinauf freischlagen.

Sechs Jahre lang wurde die Wiese wieder regelmäßig gemäht. Die beiden Fletzerleitn kamen 2005 ebenfalls hinzu.
2008 wurde die Maht wieder eingestellt, da sich alle drei um jeweils andere Wiesenflächen im Bereich des Nationalpark Kalkalpen zu kümmern begannen.

2015 wurde mit der Vereinsgründung die Bewirtschaftung von anderen Flächen im Pranzlgraben aufgenommen, welche nun schon seit über 55 Jahren brach lagen: den nahe der Schwalbensteinmauer gelegenen Weissengruberwiesen. Beim ersten Lokalaugenschein 2014 waren die noch offenen Restflächen stark verwuchert und das Pfeiffengras hatte fast alle anderen Wiesenpflanzen und Gräser verdrängt. Um die Fläche wieder in eine artenreiche Magerwiese zu verwandeln, wurden die gesamte Fläche geschwendet und 2015 schließlich zum ersten Mal seit 55 Jahren wieder gemäht. Im Rahmen des Projekts „BeRG-Wiesnheuen“ halfen Schüler*innen des BRG Steyr Michaelerplatz beim Abheuen der wiederbelebten Wiese.

Schwendemaßnahmen

Die folgende Bilder zeigen die Ausgangsitutation auf den Weissengruberwiesen 2014 und die Fortschritte und Veränderung der Wiese durch die Schwendemaßnahmen ab Frühjahr 2015.

Die erste Heuernte auf den Weissengruberwiesen 2015:

Wiedererrichtung Heustadel